Was tun, wenn ein Pflegefall plötzlich eintritt?

1. Was versteht man unter Pflegebedürftigkeit?
2. Wie erhält man Leistungen von der Pflegeversicherung? 
3. Welche Leistungen bietet die Pflegekasse an? 
4. Ein Angehöriger wird pflegebedürftig - was ist zu tun? 
5. Welche Pflichten bestehen, wenn das Pflegegeld bezogen wird? 
6. Was passiert, wenn die Pflege durch Angehörige vorübergehend nicht mehr übernommen werden kann?
7. Weitere Beratung und Auskunft

 

1. Was versteht man unter Pflegebedürftigkeit?

Pflegebedürftig im Sinne der neuen Pflegegrade sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen.

2. Wie erhält man Leistungen von der Pflegeversicherung?

Zunächst muss ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden. In der Regel ist das die Krankenversicherung des Betroffenen. Sie schickt den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) zum Pflegebedürftigen. Der MDK erstellt bei einem Besuch ein Gutachten, aus dem die Schwere der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeit festgestellt wird und die Einstufung in einem der fünf Pflegegrade festgelegt wird.

Gemäß diesem Gutachten entscheidet die Pflegekasse und schickt einen Pflegebescheid zu. Wenn man damit nicht einverstanden ist, kann Widerspruch eingelegt werden. Wird der Pflegebescheid akzeptiert, muss entschieden werden, wie die Pflege aussehen soll.

Sollte sich der gesundheitliche bzw. pflegerische Zustand des Pflegebedürftigen im Laufe der Zeit verschlechtern, kann man bei der Pflegekasse formlos einen Antrag auf Höherstufung stellen. Der Medizinische Dienst nimmt die Begutachtung vor und wird über den Pflegegrad neu entscheiden.


 

3. Welche Leistungen bietet die Pflegekasse an?

3.1 Folgende sechs Bereiche sind für eine Begutachtung maßgeblich:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltsweisen und psychische  Probleme
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Umgestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

3.2 Die Einstufung kann in folgende Pflegegrade erfolgen:

Pflegegrad 1

Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 2

Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 3

Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 4

Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 5

Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

   


3.3 Pflegesachleistung (häusliche Pflegehilfe) ab Pflegegrad 2

Pflegebedürftige in den Pflegegraden 2 bis 5 haben bei der häuslichen Pflege Anspruch auf körperbezogene Pflegemaßnahmen und pflegerische Betreuungsmaßnahmen sowie auf Hilfen bei der Haushaltsführung durch einen zugelassenen Pflegedienst.

Grad 1
0   EUR

Grad 2
689  EUR

Grad 3
1.298  EUR

Grad 4
1.612   EUR

Grad 5
1.995   EUR


3.4 Pflegegeld für eine selbst beschaffte Pflegehilfe ab Pflegegrad 2

Wird die häusliche Pflege von einer nicht erwerbsmäßig tätigen Pflegeperson (sowie Angehörige, Nachbarn, Bekannte) oder einer privat angestellten Pflegekraft übernommen, bezahlt die Pflegekasse ein Pflegegeld in Höhe von:

Grad 1
0 EUR

Grad 2
316   EUR

Grad 3
545   EUR

Grad 4
728   EUR

Grad 5
901   EUR


3.5 Kombinierte Leistungen ab dem Pflegegrad 2

Wird der monatliche Höchstbeitrag für die Pflegesachleistungen nur zum Teil in Anspruch genommen, zahlt die Pflegekasse zusätzlich ein anteiliges Pflegegeld. Dies gilt dann, wenn eine private Pflegeperson an der Pflege beteiligt ist
.
Ein Beispiel hierzu:
Pflegegrad 2: In einem Monat werden Pflegesachleistungen in Höhe von 275,60 EUR (entspricht 40 Prozent des monatlichen Höchstbetrags aus 689,00 EUR) in Anspruch genommen. Somit kann noch ein anteiliges Pflegegeld in Höhe von 189,60 EUR (entspricht 60 Prozent aus 316,00 EUR) gezahlt werden.

 


3.6 Entlastungsleisten ab Pflegegrad 1

Pflegebedürftige Personen (Pflegegrad 1 bis 5) in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen sog. Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 € monatlich, den sie zweckgebunden für qualitätsgesicherte Leistungen einsetzen können. Dies soll zur Entlastung von pflegenden Angehörigen sowie zur Förderung der Selbstständigkeit und Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags dienen.

Folgende Angebote können im Rahmen einer Kostenerstattung in Anspruch genommen werden:

  1. Leistungen aus der Tages- und Nachtpflege
  2. Leistungen der Kurzzeitpflege
  3. Leistungen der ambulanten Pflegedienste im Sinne § 36, in den Pflegegraden 2 bis 5, jedoch nicht für Leistung im Bereich der Selbstversorgung
  4. Leistungen nach Landesrecht anerkannter Angebote zur Unterstützung im Alltag
 
4. Ein Angehöriger wird pflegebedürftig - was ist zu tun?  

Pflegebedürftigkeit verändert das Leben eines Menschen erheblich. Davon ist das gesamte Familienleben betroffen. Sorgen und Ängste über die Organisation der Pflege und den Erhalt des Familienlebens belasten alle Angehörigen. Was kommt auf einem zu? Kann man die häusliche Pflege alleine bewältigen? Was passiert, wenn etwas falsch gemacht wird?

Prinzipiell kann jeder die Pflege seiner Angehörigen selbst übernehmen. Allerdings ist gute Pflege keine einfache Angelegenheit. Viele pflegenden Angehörigen stehen dieser neuen Aufgabe oft hilflos und ängstlich gegenüber. Um die Pflege und Betreuung zu erleichtern und zu verbessern sowie pflegebedingte körperliche und seelische Belastungen zu mindern, bieten wir auf Wunsch eine Schulung bei dem Pflegebedürftigen zu Hause an. Die Kosten dafür werden von der Pflegekasse getragen.

Die Pflege kann aber auch von einem Pflegedienst ganz oder teilweise übernommen werden. Wenn unser Pflegedienst beauftragt wird, wird bei dem Erstbesuch eine Pflegeanamnese erstellt und abgeklärt, welche Leistungen eventuell selbst erbracht bzw. welche von uns durchgeführt werden sollen. Wir bieten umfassende Beratungen und Hilfestellungen an, erstellen einen Pflegeplan sowie einen Kostenvoranschlag und informieren über die erforderliche Pflege bzw. Pflegehilfsmittel oder bei Bedarf über die Wohnraumanpassung.

5. Welche Pflichten bestehen, wenn das Pflegegeld bezogen wird?

Wird ein Antrag auf Zahlung von Pflegegeld aus der Pflegeversicherung gestellt, muss der Pflegebedürftige alle sechs Monate (bei Pflegegrad 2 und 3) und alle drei Monate (bei Pflegegrad 4 und 5) von einem ambulanten Pflegedienst einen sog. Beratungseinsatz durchführen lassen. Die Kosten hierfür trägt die Pflegekasse bzw. die private Pflegeversicherung. Diese Dienstleistung wird von unseren 3 Stationen angeboten. Bei diesem Beratungseinsatz wird die Situation des Pflegebedürftigen besprochen, auf evtl. Verbesserungen aufmerksam gemacht und praktikable Lösungen vorgeschlagen. Pflegebedürftige des Pflegegrads 1 sind berechtigt, halbjährlich einen Beratungsbesuch in Anspruch zu nehmen.

6. Was passiert, wenn die Pflege durch Angehörige vorübergehend nicht mehr übernommen werden kann?

Bei Urlaub, Krankheit oder sonstiger Verhinderung der Pflegeperson kann eine Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Im Kalenderjahr stehen dafür insgesamt 1.612,00 € für längstens 6 Wochen zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vor der erstmaligen Verhinderungspflege mindestens 6 Monate gepflegt hat.

Zusätzlich kann je Kalenderjahr ein Betrag von bis zu 806,00 EUR aus der Kurzzeitpflege in die Verhinderungspflege übertragen werden. Im Kalenderjahr stehen somit insgesamt bis zu 2.418,00 EUR für längstens sechs Wochen zur Verfügung. Die Höhe der Leistung ist davon abhängig, ob ein ambulanter Pflegedienst oder eine erwerbsmäßig tätige Ersatzpflegekraft die Verhinderungspflege übernimmt.

Kann die häusliche Pflege bespielsweise wegen Urlaubs der Pflegeperson nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden und reicht auch teilstationäre Pflege nicht aus, besteht Anspruch auf vollstationäre Pflege in einer zugelassenen Kurzzeitpflegeeinrichtung. Im Kalenderjahr stehen bis zu 1.612,00 EUR für längstens acht Wochen zur Verfügung. Zusätzlich kann je Kalenderjahr ein Betrag von bis zu 1.612,00 EUR aus der Verhinderungspflege in die Kurzzeitpflege übertragen werden, sofern darauf ein Anspruch besteht. Im Kalenderjahr stehen dann insgesamt bis zu 3.224,00 EUR für längstens acht Wochen zur Verfügung.

 
7. Weitere Beratung und Auskunft  
Informationen über alle Angebote der ambulanten Pflege erhalten Sie von unseren 3 Ambulanten Krankenpflegestationen in
Ansbach Bahnhofsplatz 11 Tel. 0981 97168-30 ambulante-krankenpflege@caritas-ansbach.de
Lehrberg Sonnenstr. 10 Tel. 09820 1857 sst.lehrberg@caritas-ansbach.de
Rothenburg Rosengasse 27 Tel. 09861 2902 sst.rothenburg@caritas-ansbach.de

auf Wunsch auch gerne zu Hause.

   

Auskünfte über Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege, Pflegehilfsmittel, Umbaumaßnahmen etc. erhält man von der jeweiligen Pflegekasse.

Über die stationäre Pflege informieren neben der Pflegekasse auch gerne die Senioren- und Pflegeheime selbst.